Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Barbie: Mehr als eine hübsche Blondine

Verena Schickle, 09.04.2014 11:17 Uhr


Schramberg - Dass Blondinen mit langen Beinen im Mittelpunkt des Interesses stehen, dürfte wenige überraschen. Dass sie dies im Auto- und Uhrenmuseum Erfinderzeiten in Schramberg tun, schon eher. Doch das ist der Fall: Eine neue Sonderausstellung widmet sich Barbie.Können sich Männer für Barbies begeistern? Von den Kurven und der blonden Mähne der Kunststoff-Dame einmal abgesehen. Oh ja! Da ist sich Halise Kalem sicher. Zumal ihr Chef, Museumsleiter Harald Burger, den Beweis antritt: Schließlich haben er und die BWL-Studentin, die derzeit ein Praktikum in den "Erfinderzeiten" absolviert, die Ausstellung gemeinsam zusammengestellt.

Barbies zwischen Autos und Tante-Emma-Laden? Nicht ganz dazwischen, aber doch dabei: In einem besonderen Bereich wird die Kunststoff-Schönheit in Szene gesetzt. Scheinwerfer rücken sie ins rechte Licht, Decke und Wände sind mit schwarzen und rosa Stoffbahnen abgehängt. Das passt, findet Harald Burger. Schließlich zeigt sein Haus die Zeitgeschichte: Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder – das Lebensgefühl der 50er eben. Und die Barbie sei ein typisches Produkt des Wirtschaftswunders. Noch dazu eines, das aus Deutschland stammt.

Überhaupt erfährt der Besucher, dass hinter der schönen Fassade mehr steckt als gedacht. So hatte der Karikaturist Reinhard Beuthien 1952 für die "Bild" eine Cartoonserie entwickelt. Hauptfigur war Lilli, eine junge Blondine mit Wespentaille, üppigen Brüsten und endlos langen Beinen. "Sex sells" war schon damals wahr, die Bild-Lilli ab 1955 deshalb auch als Puppe zu bekommen. Sie verkaufte sich bestens.
 
Bei einem Urlaub in der Schweiz sicherte sich das amerikanische Ehepaar Ruth und Elliot Handler, Gründer der Spielzeugfirma Mattel Creations, ein Exemplar für seine Tochter Barbara Joyce. So schaffte Lilli den Sprung über den großen Teich, und "Barbie" Handler war begeistert vom neuen Spielzeug. Den Rest kann man sich denken.

Ihren ersten großen Auftritt hatte Barbie auf der New Yorker Spielzeugmesse im März 1959. Inzwischen hat die US-Kultblondine 55 Jahre auf dem Buckel. Anzusehen ist ihr das freilich nicht. Auch wegen ihrer Optik, vor allem der Maße, musste die Schönheit im Lauf der Zeit allerlei Kritik einstecken. Burger allerdings weist darauf hin, dass die Bild-Lilli ja ursprünglich eine Comicfigur war, und die Ähnlichkeit zwischen Lilli und erster Barbie verblüffend.

Überhaupt: Vorm Barbie-Zeitalter gab es für Mädchen vor allem Babypuppen, sie schlüpften so wie selbstverständlich in die Rolle als Mutter- und Hausfrau. Darüber, sagt der Museumsleiter, hätten sich die Feministinnen indes nicht aufgeregt.

Wegen ihrer Klamotten wurde die kleine Puppe zur Stilikone: Topdesigner wie Karl Lagerfeld haben sie bereits eingekleidet, und Mattel wurde im Laufe der Zeit dank seiner Barbie zu einem der größten Modehersteller der Welt –­ mit rund 100 Millionen Metern an verarbeiteten Textilien.

Wie ausgefallen und detailliert diese teilweise sind und waren, ist an den rund 300 Exponaten, die in Schramberg gezeigt werden, zu sehen. Die Ausstellung kam in Zusammenarbeit mit dem Puppen- und Spielzeugmuseum Rottweil zustande, die allermeisten Stücke stammen von Sammlerin Stefanie Schröder aus Leinfelden-Echterdingen. Zu sehen gibt es unter anderem Rockstar-Barbies, Promis wie Elvis Presley in Miniatur oder die Barbie in verschiedenen Berufen: als Stewardess, Chirurgin oder Astronautin. Erste Frau auf dem Mond war sie schon in den 60er-Jahren. Sie habe Mädchen so Mut gemacht, meint Harald Burger: Was sie könne, könnten sie schließlich auch, entgegnet er auf die Kritik von Feministinnen.

Übrigens sitzt ihr Ken, mit dem sie trotz vorhandenem Hochzeitsoutfit in – Skandal! – wilder Ehe lebt, auch im orangen Cabrio brav auf dem Beifahrersitz. "Von wegen nicht emanzipiert!", meinen Kalem und Burger angesichts dessen.
Eröffnung Die Sonderausstellung "Happy Birthday Barbie! – die berühmteste Blondine der Welt wird fünfundfünfzig" wird am Mittwoch, 16. April, um 19 Uhr im Erfinderzeiten Auto- und Uhrenmuseum in Schramberg eröffnet.

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Thomas Herzog kommen die Sammlerin Stefanie Schröder und Kornelia Hermann vom Puppen- und Spielzeugmuseum Rottweil zu Wort.

Quellenangabe: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-barbie-mehr-als-eine-huebsche-blondine.193b163c-3f99-4b11-b123-367a772b7298.html, 9. April 2014

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