Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Atomuhr in Braunschweig: Das Zentrum der Zeit

Schwarzwälder-Bote, 01.11.2015 17:36 Uhr

Die Atomuhr steht in der Physikalischen Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Ihre Genauigkeit ist so hoch, dass eine Abweichung von einer Sekunde erst in mehr als einer Million Jahre zu erwarten ist. Durch das Zeitgesetz vom 25. Juli 1987 ist das Institut beauftragt, die Zeit für die Bundesrepublik Deutschland zu erzeugen und zu verteilen. Das Aufkommen der Elektronik setzte die Entwicklung zu höherer Ganggenauigkeit bei Uhren für den Privatgebrauch in Gang. Wolfgang Hillberg, Professor für Elektrotechnik in Darmstadt, schuf 1967 die technischen Voraussetzungen für Funkuhren. Neben codierten Zeitinformationen entwickelte er gemeinsam mit der Technischen Bundesanstalt die Zeitsendeanlage in Mainflingen bei Offenbach. Von Braunschweig werden kontinuierlich Zeittelegramme an den Zeitsender DCF-77 in Mainflingen gesendet und von dort über Langwelle 77,5 kHz verbreitet. Eine Funkuhr empfängt das Signal und reguliert sich selbst, samt Umstellung auf Sommer- und Winterzeit und Datum. Der permanente Empfang der Funkuhren ist im Umkreis von 1500 Kilometern um den Sender gewährleistet. Außerhalb laufen Funkuhren als gewöhnliche Quarzuhren.

Vor exakt 30 Jahren kam die weltweit erste seriengefertigte Funkuhr auf den Markt. Hergestellt wurde sie in Schramberg von der Firma Junghans. Zu dieser Weltsensation gibt es jetzt eine Sonderausstellung.

Schramberg. Sie nennt sich "30 Jahre seriengefertigte Funkuhr aus Schramberg" und wird in der Uhrenabteilung des Auto- und Uhrenmuseums "ErfinderZeiten" gezeigt. Seit jeher gab es in der Geschichte der Zeitmessung ein Streben nach Präzision, Steigerung der Gangreserve und Miniaturisierung. Die Atomuhr in Braunschweig und der Einzug der Elektronik boten plötzlich ganz neue Möglichkeiten.

Junghans reagierte als erster Hersteller der Welt darauf: 1985 stellte sie auf der Basler Mustermesse ihre Funkuhren-Kollektion für den privaten Gebrauch vor. Es handelte sich um eine batteriebetriebene Quarzuhr mit Funksynchronisation. Sie wurde zum Ladenpreis von 980 Mark und in zwei Ausführungen angeboten: als Tisch- und Wanduhr. Bemerkenswert war ihr avantgardistisches Design, weshalb ihr die Junghans-Mitarbeiter schnell den Beinamen "Brikett" verpassten. Bereits ein Jahr nach Herstellung der ersten Funkuhr konnte Junghans zum 125. Firmenjubiläum erneut mit einer Weltsensation aufwarten: Mit der RCS1 hatten sie es geschafft, eine Funkuhr herzustellen, die ihre Energie nur über Solarzellen bezog. 1990 hatte die Firma die Funktechnologie so weit miniaturisiert, dass sie in eine Armbanduhr integriert werden konnte. Die Junghans MEGA 1 als weltweit erste Funkarmbanduhr war weitere Weltsensation.

Weitere Informationen: Die Ausstellung wird am Donnerstag, 5. November, um 19 Uhr im Gewerbepark H.A.U. eröffnet. 

Quellenangabe: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-atomuhr-in-braunschweig-das-zentrum-der-zeit.865f962b-1af9-4937-b346-8ae0dabeb887.html

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