Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Impressionen aus dem Dieselmuseum

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 Eine Sensation im Bauch

Architektonisch ohne Zweifel eine Kostbarkeit, birgt dieser feine Industriebau in seinem Bauch gar eine technische Sensation - eine noch funktionsfähige Dieselmaschine aus den Jahren 1910/11. Bis 1963 hat sie gearbeitet. In den Betriebsbüchern der H.A.U. ist dazu festgehalten: "29. 03. 1963. Freitag, wie zum Finale, noch einmal 7. Stunden. 30. 03. 1963. Samstag, 7.30-8.30 Uhr, 1 Stunde. Feierabend. Schluß - Aus." Und, zuallerletzt, am 25. November 1966, auch einem Freitag, "von 11 bis 12 Uhr kam es noch einmal zu einem Probelauf." Noch heute zeigt der Drehstromzähler den Stand vom November 1966.
Zur Unterbringung des Dieselmotors war 1910 eine Erweiterung rechts vom Risalit nötig, mit dem die H.A.U. den Schramberger Baumeister Ludwig Storz (1863-1914) beauftragte. Aus dem quadratischen wurde ein rechteckiges Gehäuse. Der Name Manz taucht in den Bauakten zwar nicht mehr auf, aber Storz gibt sich alle Mühe, das Diesel-Langhaus in Material und Stil den Vorgaben seines großen Stuttgarter Kollegen anzupassen. Die Fensterformen hat er dabei kopiert und das Dach noch mit zwei Fledermausgaupen versehen, die mit dem Queroval des Risaliten korrespondieren. Kurzum, eine feinsinnig gestaltete Außenhaut für den Dieselkoloß, über den es in einer Information des schramberger Stadtmuseums von 1991 heißt: "Es handelt sich um einen vierzylindrigen 325-PS-Diesel der Firma M.A.N. aus dem Jahre 1911. Der Diesel dokumentiert die Energieversorgung dieser Fabrikanlage, die von Beginn an die jeweils modernste Energiequelle nutzte: Anfangs (seit 1876) arbeitete man mit Dampfkraft, die 1904 durch ein eigenes Wasserkraftwerk im Bernecktal und 1911 durch eine erste Dieselkraftstation erweitert wurde. Der noch vorhandene Diesel erscheint geeignet, ein wichtiges Thema der Industrialisierung - die Energieversorgung und damit verbunden (Umwelt)Probleme - zu veranschaulichen."
Der Schramberger Diesel wurde bei MAN in Augsburg gebaut. Solche Aggregate trieben Schiffe und lieferten auch die Elektrizität für die Kiewer Straßenbahn, noch bevor am 9. August 1910 die Schramberger H.A.U. ihren Dieselmotor in Augsburg bestellte, der dann 1911 auf Teerölbetrieb umgestellt wurde. Seine Typenbezeichnung "A4V60" läßt sich wie ein Steckbrief lesen: "A" bezieht sich auf Bauserie, "4" auf Zylinderzahl, "V" auf vertikale Bauweise und ,,60" auf die entsprechenden Zentimeter Kolbenhub. Zu den berühmtesten Verwandten dieses Schramberger Teeröl-Diesels zählen die beiden "Großen Liegenden" der Städtischen Elektrizitätswerke Halle, damals die größten horizontal arbeitenden Dieselmaschinen weltweit.

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