Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Barpianist mit glühender Leidenschaft

Virtuose Klaviermusik mit Witz und Augenzwinkern hat mit dem irisch-deutschen Piano-Entertainer David Harrington ein ganz besonderer Künstler an einem ganz besonderen Ort geboten.
 
11. Mai 2018

Schramberg. Im Rahmen der Jubiläumssaison "20 Jahre Schwarzwald Musikfestival" machte das inzwischen überregional bekannte "Leuchtturmprojekt" auch wieder Station in der Fünftälerstadt, zum zweiten Mal im Auto- und Uhrenmuseum Erfinderzeiten.

Festivalintendant Mark Mast, künstlerischer Leiter und Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie, konnte erwartungsgemäß ein volles Haus begrüßen. In einer Einführung hatten die Besucher Gelegenheit, den Protagonisten Harrington näher kennenzulernen.

In seinem aktuellen Soloprogramm "Der Barpianist" schlüpfte der Exzentriker mit dem gewissen Etwas in die Rolle eines jungen, in der Ellbogenwelt der Musik unerfahrenen Pianisten: gertenschlank, 24 Jahre alt, mit vollem Haupthaar. Der junge Unbekannte, ohne Ahnung vom Haifischbecken, das ihn erwartete, startete seine steinige Karriere im Seniorenheim Sonnenuntergang, wo er mit Songs wie "Schatzi, ist dein kleines Herz für mich noch frei?" oder frei nach Zarah Leander "Es muss was Wunderbares sein" mit einer Mischung aus Hingabe wie bei Udo Jürgens und ästhetischer Haptik à la Peter Alexander die Insassen mit seinem Heldentenor und seiner mitreißenden Klavierbegleitung vom Hocker zu reißen versuchte. Das Publikum wirkte mit passenden Schatzi-Rufen mit.

Die nächsthöhere Stufe auf der Glamour-Leiter erklomm der Pianist als Background-Musiker im Einkaufszentrum. Als nächste Entwicklungsstufe wählte der Emporkömmling die Hotelbranche. Mit seinem rasanten Swing hätte er Preise gewinnen können, doch leider hörte ihm nachts um halb zwei im Hotel niemand zu. Umso mehr honorierten die restlos begeisterten Zuhörer seine virtuosen Tastenläufe mit stürmischem Applaus.

Ganz im Vertrauen verriet der Alleskönner dem Publikum den Trick, wie man aus einem einfachen Liedchen der Sesamstraße eine große Nummer zaubern kann: "Ausstrahlung ist alles." Mit einer Version im Stil einer Wagner-Arie blieb er keinen Beweis schuldig. Doch es gab auch die andere Seite mit der Mischung aus Einsamkeit und Versagen, wo er die leisen Töne anschlug und mit echtem Gefühl und ehrlichem Ausdruck sang: "Heute und hier wünsche ich mir, dein Mensch zu sein". Gereift durch die erlittenen Wechselbäder seiner Karriere, versuchte es der unentwegt nach Höherem Strebende schließlich an Bord der MS Troubadour, wo er beim "Welcome" neben Künstlern wie Justus, dem Heuschrecken-Dompteur, eine Kostprobe seines Könnens abgab.

Genial war die Parodie des Berliner Sinnedichters Dietleib. Der Durchbruch kam – leider nur scheinbar – mit der eigenen Nightshow, wo er mit Liebeswerben, Dramatik und Leidenschaft die Menschen in Begeisterung versetzte. Doch der Preis war hoch und der Rotweinkonsum noch höher.

Was war schief gelaufen, dass er immer noch nicht berühmt war? Bars und Kreuzfahrtschiffe wurden gekündigt und ein Vertrag am Theater, nicht in Hamburg, sondern in Stralsund, war der nächste Meilenstein.

Einfach zum Tränenlachen, wie er bei "My Fair Lady" als Gastsolist aus Sachsen (Domingo in der Prärie) den mundartlichen Akzent des Blumenmädchens parodierte. Mit Herzblut variierte er im Blick auf das Publikum: "Was wirklich wichtig ist, das seid ihr."

Entziehungskur

Letzte Station war nach der Entziehungskur ein eigenes Soloprogramm auf der Reeperbahn. Sein Berufsethos hatte nicht gelitten: "In diesem Traumberuf muss man immer glühen." Und mit glühender Leidenschaft – sogar die Nase spielte mit – bearbeitete er zum Abschluss die Tasten des Yamaha-Flügels mit dem Klavierauszug des Musicals "Phantom der Oper", womit er den absoluten Gipfel der Virtuosität erreichte und das hingerissene Publikum zum Klatschen und Johlen brachte.

Zum Abschied rührte der Ausnahmekünstler noch einmal die inneren Saiten der Zuhörer an mit seiner ganz eigenen Nachtmusik: "Let the dream begin."

Quellenangabe: https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-sl-machen-station-in-der-talstadt.990a84c4-d142-46e8-a76c-cc2bc8d31b9e.html

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