Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Schramberg"Mehr als nur ein Automuseum"

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Schramberg "Mehr als nur ein Automuseum"

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Auf fünf Ebenen entführt das "Erfinderzeiten" in die Fahrzeugwelt und das Alltagsleben vom Ende des Zweiten Weltkriegs an bis in die 1970er-Jahre. Auch mit zahlreichen Sonderausstellungen und Veranstaltungen hat es sich einen Namen gemacht.

Schramberg. Nun können die Verantwortlichen des Auto- und Uhrenmuseums auf dessen zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Die Idee, in den leerstehenden Hallen im Gewerbepark H.A.U. ein Automuseum zu errichten, sei auf den Leihgeber der Ausstellungstücke Martin Sauter und den Schramberger Bürger Roland Blei zurückzuführen, erzählt Helmut Banholzer, Vorsitzender des Vereins Technikmuseen. Die Sammlung Sauters sei zuvor schon in Engstingen auf geringerem Raum ausgestellt worden, sollte jedoch wegen Platzmangels nach Schramberg gebracht werden. Nachdem der Gemeinderat seine Zustimmung für die Gründung des Museums gegeben hatte, seien die Autos nach und nach mit dem Kran auf die einzelnen Stockwerke gebracht worden. "In einer gemeinsamen Aktion mit dem Gemeinderat sind die Autos dann abgestaubt und gereinigt worden", erinnert sich Banholzer. Zur offiziellen Eröffnung im März 2010 war der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus anwesend, der zu "einem besonderen Kleinod" gratulierte. Im obersten Stockwerk, dem Bereich der Uhren, hatte außerdem Leichtathletik-Olympiasiegerin Hildegard Falck einen Vortrag zur Sportzeiterfassung, die auch Teil der Ausstellung ist, gehalten. "Das Museum ist in den Endzügen der Wirtschaftskrise entstanden, deshalb gab es damals auch Widerstand gegen die Umsetzung des Projekts", erklärt Harald Burger, Leiter des Museums. Heute hätten sich aber viele Skeptiker zu Museumsfreunden entwickelt. Seit seiner Öffnung fänden im "Erfinderzeiten" jährlich mindestens zwei Sonderausstellungen und zahlreiche Veranstaltungen wie "Talk im Museum" statt. "Wir versuchen ein breites Spektrum an Events anzubieten, um auch ein breites Publikum anzusprechen", sagt Burger. Als touristische Attraktion habe es auch das Ziel, Menschen nach Schramberg zu bringen. Das "Erfinderzeiten" sei kein Museum im herkömmlichen Sinne, in dem "Auto an Auto steht". Viel mehr dokumentiere es die Motorisierung des "kleinen Mannes" und gebe zwischendurch auch Einblicke in das Leben der damaligen Zeit. Im obersten Stock werde außerdem die Entwicklung der Uhren, von der Hausmacherfertigung bis zur Industrie, gezeigt. "Man kann das Museum nicht nur auf ein klassisches Automuseum reduzieren. Es erzählt Geschichten und weckt Emotionen. Es vermittelt das Lebensgefühl der 50er- und 60er-Jahre", meint Burger. Viele der Besucher hätten die ausgestellten Autos selbst auf der Straße erlebt. "Sie gehen lachend und euphorisch wieder raus", beschreibt der Museumsleiter. Die Ausstellung an sich habe ihre Struktur, die nicht verändert werde. Trotzdem können Gäste bei jedem Besuch etwas Neues entdecken, ist sich Burger sicher. Immer wieder kämen auch neue Exponate hinzu. Rolle der Frau im Fokus Um das Museum zusätzlich lebendig zu erhalten, veranstalte man die Sonderausstellungen. Diese seien nicht nur für Autoliebhaber interessant, so wurden unter anderem bereits Barbiepuppen und die Funkuhr thematisiert. "Nun gestalten wir einen Raum, der die Hamburg-Amerikanische-Uhrenfabrik von Landenberger, in der sich das Museum befindet, präsentiert", verrät Burger. Auch an einer Sonderausstellung zur Rolle der Frau in der Uhrenindustrie werde gearbeitet. Auch für das Jubiläumsjahr habe sich das Team ein besonderes Programm überlegt. Nachdem jüngst die Auftaktveranstaltung, ein Konzert mit den "Schlag(er)hosen" aus Tennenbronn, aufgrund der Corona-Situation abgesagt werden musste, sollen allerdings zu einem späteren Zeitpunkt andere Events folgen. Das Konzept des Museums sei von Anfang an darauf ausgelegt gewesen, dass es von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt werde. Diese seien für die Führungen, die Reinigung und das Umgestalten zuständig. "So entstand auch der Name ›Autoschieberbande‹ – Leute, die seit Jahren im Museum mithelfen und die Autos bei Umgestaltungen verschieben", meint Burger lächelnd. Zur Dachmarke "Auto- und Uhrenwelt" gehören auch das Eisenbahnmuseum, die Autosammlung Steim sowie das Dieselmuseum, mit denen Kooperationen bestehen. So könne etwa ein Kombiticket für mehrere Museen gekauft werden. Im vergangenen Jahr habe es das "Erfinderzeiten" auf 27 000 Besucher gebracht – eine stolze Zahl, die bereits nahe an die 30 000 herankomme, die ursprünglich als Ausgangswert angedacht waren. Zudem biete es ein touristisches Potenzial für die Stadt. "Es gelingt uns gut, den Namen Schramberg nach außen zu tragen", meint Banholzer. Trotzdem hätten die Veranstaltungen des Museums einen örtlichen Charakter, man wolle den Schrambergern ihre Geschichte näherbringen. Auch für Kinder versuche man die Ausstellungsinhalte greifbarer zu machen, so zum Beispiel mit dem Audioguide-Agentenspiel. "Wir versuchen natürlich, die Besucher von morgen zu begeistern", so Burger. Der Museumsleiter zeigt sich jedoch zuversichtlich bezüglich der Zukunft des Museums: "Es heißt nicht umsonst Leuchtturmprojekt. Es gibt selten ein Museum, dass so nach außen strahlt." Auch in der letzten Sitzung des Verwaltungsausschusses vor der Corona-Unterbrechung hat Helmut Banholzer die zehnjährige Museumsgeschichte Revue passieren lassen. Der Fördervereins-Vorsitzende ging auf die Entwicklung, Veranstaltungen in 2019 oder etablierte Events wie etwa dem Trachtentag, zeitgleich zum Oktoberfest der Stadtmusik, ein. Zu den nächsten Veranstaltungen des Jubiläumsjahres gehört – sofern sie stattfinden kann – im Mai eine Sonderausstellung zum Wankelmotor. Das Schwarzwald-Musikfestival 2020 wurde bereits abgesagt. Erfreut sei Banholzer über die rege Nutzung der Schramberg-Card im Sommer und Herbst 2019, die im Gegensatz zu vergleichbaren Tourismus-Karten der Region ihren Nutzern den Vorteil biete, zwischen dem Besuch einzelner Museen oder des gesamten Angebots auszuwählen. Neben Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr dankten auch Thomas Brantner (CDU), Frank Kuhner (Aktive Bürger), Tanja Witkowski (SPD/Buntspecht), Ralf Rückert (Freie Liste) und Bernd Richter (ÖDP) Banholzer, Harald Burger sowie allen Mithelfern für ihr tatkräftige Engagement und hoben die Bedeutung der Museen für die Stadt ebenfalls hervor. Brantner betonte, dass sich zur Unterstützung der Museen bei den Herausforderungen einer optimierten Zubindung in die Innenstadt und einem verbessertes Gastronomienangebot für die Gäste von auswärts etwas bewegen müsse.( fab) 

 

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