Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Des Führers "Wunderauto" fährt vorbei

“VW-Käferschau eröffnet”

Carsten Kohlmann, vom 23.03.2012 20:00 Uhr, Schwabo

Schramberg - In der Sonderausstellung "Start ins Wirtschaftswunder mit dem VW-Käfer" im Auto- und Uhrenmuseum "ErfinderZeiten" sind auch zwei Fotos aus dem Stadtarchiv Schramberg zu sehen, die an die Präsentation des "KdF-Wagens" am 28. April 1939 in Schramberg erinnern.Die Fotos wurden von Oskar Roth (1905 bis 1996) aufgenommen, der als Techniker in der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans beschäftigt war. In der Mitte der 1930er-Jahre kaufte er sich einen Fotoapparat der Spitzenmarke Leica und entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einem der besten Freizeitfotografen in Schramberg. Sein umfangreiches Fotoarchiv ist nur fragmentarisch überliefert. Die beiden Fotos von der "KdF-Wagen-Kolonne" in Schramberg gehören zu seinen ältesten heute noch vorhandenen Aufnahmen und sind von hohem zeitgeschichtlichen Wert.

Der "KdF-Wagen" war der Vorläufer des späteren VW-Käfers und war nach der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) benannt, die zur Deutschen Arbeitsfront (DAF) gehörte, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der NS-Zeit zusammengeschlossen waren.

"Kraft durch Freude" war in der nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft" für die Freizeitgestaltung zuständig und bot dazu ein umfangreiches Kultur- und Reiseprogramm. 1937 beauftragte Adolf Hitler "Kraft durch Freude" damit, für den seit 1934 vom Konstrukteur Ferdinand Porsche (1875 bis 1951) zur Serienreife entwickelten "Volkswagen" die "modernste und sozial fortschrittlichste Automobilfabrik der Welt" zu errichten. Am 26. Mai 1938 wurde bei Fallersleben in Niedersachsen der Grundstein für dieses Unternehmen gelegt. Die auf dem Reißbrett entworfene "Stadt des KdF-Wagens" – so ihr erster Name – wurde nach 1945 in Wolfsburg umbenannt und ist bis heute der Sitz der Volkswagen AG.

Die Massenmotorisierung sah Adolf Hitler als eines von mehreren Mitteln zur Herstellung der nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft", in der alle "Volksgenossen" die Möglichkeit haben sollten, sich ein Kraftfahrzeug leisten zu können, was für die meisten Menschen bis dahin völlig ausgeschlossen war. Mit einem Preis von 990 Reichsmark war der Kauf eines "KdF-Wagens" für den Normalbürger erreichbar.

Alle Interessenten hatten eine "KdF-Wagensparkarte" zu beantragen, für die in jeder Woche mindestens für fünf Reichsmark Sparmarken erworben werden mussten.

Nach dem Abschluss der Entwicklungsphase wurde der erste "KdF-Wagen" in einem Ehrenraum bei der Internationalen Automobil-Ausstellung vom 17. Februar bis 5. März 1939 in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bereits kurz nach der ersten Präsentation in der Reichshauptstadt wurde für den 19. April 1939 auch ein Besuch der "KdF-Wagen-Kolonne" in der Industriestadt Schramberg angekündigt, der dann allerdings auf den 28. April 1939 verschoben wurde. Nach einer im Rundfunk übertragenen Rede von Adolf Hitler konnte das auf dem Schlossplatz aufgestellte Fahrzeug besichtigt werden und zog eine große Zahl interessierter Besucher an. Nicht alle fielen jedoch in die allgemeine Begeisterung über das "Wunderauto" ein. Der Uhrmacher und Reisevertreter Ernst Frey (1898 bis 1972), der die Chronik der Gemeinde Waldmössingen führte, hielt darin kritisch und prophetisch fest: "Bis Mitte August waren im Kreis Rottweil 205 Bestellungen auf den KDF-Volkswagen eingegangen, davon 70 in Oberndorf u[nd] 30 in Schramberg […] So meint man die Arbeitermassen für eine Entwicklung zu gewinnen, die vermeintlich zum ›irdischen Paradies‹ führen soll, in Wahrheit aber in einem furchtbaren Zusammenbruch enden muß. Die Geschichte wird dies lehren!!"

Der Produktionsbeginn des "Wunderautos" war für Herbst 1939 geplant. 1940 sollten die ersten "KdF-Wagen" ausgeliefert werden. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges ließ das Projekt jedoch sterben, da in der "Stadt des KdF-Wagens" nun Fahrzeuge für die Wehrmacht produziert wurden.

Die 330?000 Sparer, die einen "KdF-Wagen" beantragt hatten, gingen leer aus. Das gesparte Geld in Höhe von 280 Millionen Reichsmark wurde nach Kriegsende von den Alliierten beschlagnahmt.

In langen juristischen Auseinandersetzungen erreichten die ehemaligen Sparer schließlich 1961 in einem Vergleich, dass ihnen beim Kauf eines VW-Käfers 600 DM gut geschrieben oder 100 DM in Bar erstattet wurden.

 Quellenangabe: "Des Führers "Wunderauto" fährt vorbei", Schwabo, 23.03.2012 http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-des-fuehrers-wunderauto-faehrt-vorbei.2e264e99-4b01-46b8-98bf-cbf823e7ef87.html

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