Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Schramberg erzählt die Maico-Story

NRWZ,  02.11.2014, 16:20:42 Uhr

 

SCHRAMBERG, 2. November (him) - Sie sind legendär, die Motorräder aus dem Hause Maico. Das Schramberger Auto- und Uhrenmuseum hat den Maschinen aus Pfäffingen bei Tübingen jetzt eine Sonderschau gewidmet. Zur Eröffnung pilgerten die Maico-Fans am Freitagabend in Scharen in die HAU.

 

Vor knapp 90 Jahren hatte mit dem Bau von Fahrrädern alles begonnen. Bei Herrenberg endete die Maico Ära in den 80er Jahren. Dazwischen lag ein ständiges Auf und ab eines Familienunternehmens, das zwischendurch gar den schwäbischen Volkswagen bauen wollte.

Mit einem Knalleffekt begann die Eröffnung: Freya und Peter Klink kamen auf zwei knatternden und zweitaktermäßig stinkenden Rennmaschinen ins Museumsfoyer eingefahren und gaben so der Eröffnungsfeier gleich die richtige Note.

Der Vorsitzende des Museumsvereins, Helmut Banholzer, konnte zahlreiche Sammler und Leihgeber, aber auch ehemalige Maico-Rennfahrer und Mitarbeiter in den Räumen des Museums begrüßen. Er dankte den 18 Leihgebern und Patrick Richter für die Organisation der Ausstellung. Die Sonderausstellungen sollten immer wieder einen Anreiz bieten, das Museum zu besuchen, so Banholzer. Die Idee zur Maico-Schau stamme von Martin Sauter, dessen riesige Sammlung den Grundstock für das Museum bilde.

Friedbert Morsch aus Rosenfeld hielt den Einführungsvortrag, den er anhand von Werbe- und Katalogsprüchen aus der Maico-Ära gestaltete, diese ließen nämlich "die Lebenswirklichkeit dieser Zeit Revue passieren."

Bei der Begrüßung der Gäste erwähnte er unter anderem auch Egbert Haas, der 1979 das "Husarenstück" schaffte, als Einzelkämpfer in der Klasse über 750 Kubik auf einer Maico-Europameister der Geländefahrer zu werden. "Und das gegen BMW, die mit Millionenaufwand versuchten, Europameister zu werden", wie Morsch hervorhob.

Auch drei Nachkommen der Gründerfamilie Maisch waren zur Eröffnung gekommen und Otmar Heinzelmann, der in den 50er Jahren Maico-Verkaufsleiter war.

"Weiter die Welt- schöner das leben"- zitierte Morsch einen Spruch der Maico-Frühzeit. Die Fahrräder gaben die Möglichkeit, der Enge der Heimat zu entfliehen. Als "wunderbar gefedert für nur 328 Mark" pries das Unternehmen dann Mitte der 30er Jahre eines seiner Motorräder an – bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 160 Mark für einen Arbeiter nicht grade ein Schnäppchen. "Quicklebendig am Werktag, erquickend am Sonntag" zeigte die doppelte Tauglichkeit des Motorrads als Mittel um zur Arbeit zu kommen und um am Wochenende raus ins Grüne zu gelangen. "Immer mehr fahren nur noch Maico" zeigt, dass es dem Unternehmen gut ging. Im zweiten Weltkrieg fertigte Maico für die Wehrmacht und nach dem Krieg demontierten die Franzosen die gesamten Maschinen. Mit dem Bau von Holzspielzeug und Fahrradersatzteilen hielt sich Maico über Wasser.

Nach der Währungsreform 1948 aber boomte der Motorradmarkt: es gab Lieferfristen. Motorroller sollten die Kunden vom Autokauf abhalten. Der Roller Maicomobil wurde als "Auto auf zwei Rädern" angepriesen. Doch Ende der 50er Jahre war der boom zu Ende "Die Leute wollten ein Dach überm Kopf", so Maisch, und kauften deshalb lieber Autos. Auch Maico versuchte sich am Autobau aber der "Champion" wurde zum Flopp. Gerade mal 10.000 der Kleinwägelchen konnten die Pfäffinger verkaufen. Nichts war es mit dem "Schwäbischen Volkswagen."

Daraufhin verlegten sie sich auf den Bau von Rennmaschinen für den Gelände- und Motocross-Sport und feierten dabei zahlreiche Erfolge. Gerade in den USA waren solche Rennen sehr beliebt: Bis zu 70.000 Zuschauer säumten die Rennstrecken. Die Nachfrage war lebhaft und zeitweise exportierte Maico 80 Prozent seiner Motorräder, so Morsch.

Doch auch diese Ära endete und Mitte der 80er-Jahre war dann Schluss bei dem schwäbischen Traditionsunternehmen.

Die Fangemeinde aber blieb dem Unternehmen treu: zahlreiche Sammler Bastler und Ehemalige treffen sich und tauschen Geschichten aus. So auch in der HAU. Morschs Fazit - frei nach Loriot: "Ein Leben ohne Maico ist zwar möglich, aber sinnlos."

Mit 40 Maico Motorrädern und Autos, aber auch einem Fahrrad mit Holzfelgen aus der Anfangszeit präsentiert die Ausstellung Zeitgeschichte auf zwei und vier Rädern. Die Ausstellung ist bis zum 29. März 2015 im Auto- und Uhrenmuseum in Schramberg täglich außer montags zu sehen.

Weitere Informationen unter www.auto-und-uhrenwelt.deoder unter der Telefonnummer: 07422 29-301.

Quellenangabe: http://www.nrwz.de/inhalt/schramberg/Schramberg-erzaehlt-die-Maico-Story--00056543.html, 2. November 2014

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