Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Die Keimzelle für junge Unternehmen

Schwarzwälder-Bote, 27.08.2014 18:28 Uhr


Schramberg. Die Aufgabe war gewaltig: Vor 25 Jahren übernahm die Stadt das H.A.U.-Gelände. Das Projekt Technologie- und Gewerbepark hatte Erfolg. Schramberg blieb eine gigantische Industriebrache erspart. Mittlerweile gelten die ehemaligen Junghans-Uhrenwerke als "Keimzelle" junger Unternehmen.

"Not macht erfinderisch", steht auf einem Schild am Eingang zum Komplex fünf. Heute ist im Backstein-Bau das Auto- und Uhrenmuseum "ErfinderZeiten" zuhause. Die Volksweisheit passt ganz gut zur jüngeren Geschichte des weitläufigen Areals. Damals war der Komplex tot. Heute herrscht im Technologie- und Gewerbepark mit rund 14 000 Quadratmetern Nutzfläche Leben. Rund 30 Mieter gibt es. Eine bunte Mischung aus Gewerbebetrieben, Dienstleistern, Handwerkern, Handelsfirmen und Museen hat sich dort angesiedelt. 230 Menschen gehen hier zur Arbeit. Dazu kommen Kunst, Kultur und ein Haus der Vereine.

Mit der Übernahme der H.A.U.-Immobilie halste sich die Stadt was auf. Dass die Rechnung aufgehen würde, war alles andere als sicher. "Das war schon ein dickes Ei. Aber es hat einfach vieles gut zusammengepasst", sagt Uwe Weisser. Der heutige Leiter des Fachbereichs zentrale Verwaltung und Finanzen im Rathaus kennt die Geschichte des Gewerbeparks aus dem Effeff. Als die Stadt 1989 "den Schandfleck" übernahm, schuf der damalige Oberbürgermeister Herbert O. Zinell die Stelle eines Wirtschaftsförderers. Die Wahl fiel auf Uwe Weisser. Seine Aufgabe war es, die Brache neu zu beleben.

Der Anfang verlief "holprig", sagt Weisser. Der Komplex blieb im Eigentum der Gebrüder Junghans GmbH, die öffentliche Hand investierte gewaltig. Umgerechnet fünf Millionen Euro schossen Stadt, Land und Bund in die Sanierung. Der mittlerere Gebäudekomplex wurde abgerissen, um Platz für Zufahrtsstraßen und Neubauten zu schaffen. So "richtig funktioniert" habe es mit der Vermietung der Flächen anfangs dennoch nicht. "Die Miete war zwar günstig. Trotzdem hatten viele junge Unternehmen nicht das Geld, neue Leitungen für Strom und Wasser einbauen zu lassen, oder sie wollten es nicht", sagt Weisser. Also nahm die Stadt noch einmal Geld in die Hand, investierte in die Gebäudetechnik. Firmen konnten weiterhin Eigenleistung bringen, und so die Miete niedrig halten. "Dann ist es plötzlich richtig gut gelaufen."

Den Erfolg schreibt Weisser einigen günstigen Fügungen zu, und dem "gemeinsamen Willen aller Beteiligten" in der Stadt, etwas auf die Beine zu stellen. Ganz ideal ist die H.A.U. mit ihren sechsstöckigen Geschossbauten nicht für einen Gewerbepark. Dazu gibt es denkmalgeschützte Teile, die praktisch nicht verändert werden dürfen. "Teuer und unflexibel" sei dies.

Architektonische Nachteile machte die Stadt durch Flexibilität an anderer Stelle wett. Mieter bekamen genau soviel Fläche, wie sie benötigten. Die Stadt machte viele Zugeständnisse, reservierte für wachsende Firmen weitere Flächen und reagierte geduldig bei offenen Mietforderungen, wenn ein junges Unternehmen in der Startphase mal knapp bei Kasse war. Große Betriebe verlegten bei Kapazitätsengpässen neue Abteilungen vorübergehend in die H.A.U., was wiederum andere Interessenten aufmerksam werden ließ. Die Beweglichkeit in jeder Hinsicht und der Wille, für Probleme pragmatische Lösungen zu finden, habe sich für beide Seiten ausgezahlt.

Die Vermietungsquote schwanke zwischen 75 und 90 Prozent, die Einnahmen deckten die Investitionen. Manches Start-up-Unternehmen sei heute ein Kaliber mit hunderten von Arbeitsplätzen, das wiederum Gewerbesteuer in der Stadt zahle. "Einige Firmen haben’s auch nicht gepackt", sagt Weisser, "aber das ist das Leben."

Mittlerweile hat die Stadt das Areal gekauft. Die Möglichkeit habe sich "einfach so ergeben", die Stadt griff zu. Uwe Weisser denkt gerne zurück, auch an seine Aufgabe als Wirtschaftsförderer. "Das war ein toller Job", so der heute 54-Jährige. Er habe "alle Freiheiten" gehabt, immer freien Zugang zum OB-Zimmer und die Unterstützung aller Fachgebiete im Rathaus. Das Projekt sei gelungen, "weil der Bedarf nach günstigen Gewerbeflächen da und weil die Stadt Schramberg mit ihrem Gewerbepark früh dran war". Aber auch, weil viele gut zusammengearbeitet hätten.

Heute habe die Stadt den Strukturwandel geschafft, den Niedergang der Uhrenindustrie verkraftet, hat derzeit so hohe Gewerbesteuereinnahmen wie noch nie in der Stadtgeschichte. "Das liegt natürlich nicht nur am Gewerbepark", sagt Weisser. Aber auch. Seine Erfahrung: Neue Unternehmen werden vor allem dann gegründet, wenn die Wirtschaft in einer Krise steckt. "Wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, gibt den ja nicht ohne weiteres auf, um sich selbstständig zu machen", so Weisser. Offenbar macht eben erst Not erfinderisch.

Quellenangabe: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-die-keimzelle-fuer-junge-unternehmen.76f90762-a0ea-4d09-94f6-6233370457d1.html, 27. August 2014

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