Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Alles, was tickt, rollt und rast.

Alles, was tickt, rollt und rast.

In Schramberg widmen sich Museen den Autos und Uhren.

Der Silberfloh ist mein liebstes Stück." Man glaubt es Harald Burger gern, denn irgendwie haben die beiden etwas gemeinsam: Burger sieht nicht unbedingt so aus, wie man sich einen Museumsdirektor vorstellt. Und der Silberfloh, ein Kabinenroller von 1954 mit Aluhaut auf einem Holzchassis, erinnert kaum an ein modernes Auto. Beide gehören zur Auto- und Uhrenwelt Schramberg. Dort wird die Geschichte der Uhrenfabrikation dieser Stadt und der Motorisierung Deutschlands nach 1945 erzählt. Gegenüber der ehemaligen Hamburgisch-Amerikanischen Uhrenfabrik, kurz H.A.U., steht ein gewaltiger 100 Jahre alter Dieselmotor im Dieselmuseum, und ein paar Meter unterhalb wartet die Autosammlung Steim mit mehr als 100 Exponaten auf.

Schon das denkmalgeschützte H.A.U.-Gebäude von Philipp Jakob Manz steht für ein Stück Schwarzwälder Industriegeschichte. Die Fabrik, deren Zusatz "amerikanisch" für moderne Fließband- und Akkordarbeit stand, war Anfang des 20. Jahrhunderts nach Schramberg verlegt worden, wo sie 1930 in Junghans aufging. Den Rundgang durch die fünf Etagen beginnt man am besten im vierten Obergeschoss bei den Uhren, die seit dem 17. Jahrhundert im Schwarzwald gebaut und in alle Welt verkauft wurden – zwischen 1800 und 1850 wohl 15 Millionen Stück.

Weil er mit seiner Ölmühle keinen Erfolg hatte, begann Erhard Junghans 1861 mit der Produktion von Uhrenteilen. Die Entwicklung schritt rasant voran, um 1900 war Junghans die größte Uhrenfabrik der Welt. Bis zu 12 000 Menschen haben in Schramberg in der Uhrenindustrie gearbeitet – heute sind es keine 100 mehr. Von der Uhrmacherwerkstatt über die Fließbandproduktion von Weckern und die Zeitmessung bei den Olympischen Spielen 1972 bis hin zu den Quarz- und Funk-Solar-Uhren führt der Rundgang durch zweieinhalb Jahrhunderte.

Eine Etage tiefer beginnt die Mobilitätsgeschichte vor 66 Jahren. Mehr als 200 Exponate geben einen chronologischen Überblick über das Streben nach Fortbewegung von 1945 bis in die 1970er Jahre – vom Fahrrad mit und ohne Hilfsmotor über den motorisierten Rollstuhl des behinderten Kriegsheimkehrers, über Roller und Motorräder und die vielen mehr oder weniger geglückten Versuche, ein wetterfestes Gefährt auf drei oder vier Rädern zu basteln bis hin zur Massenmotorisierung.

Neben den originellen Eigenbauten erinnern viele fast vergessene Namen an jene Zeiten, in denen die Deutschen fahren lernten: von Adler über Borgward, Horex, Lloyd, Messerschmitt, NSU bis Zündapp reichen die Ausstellungsstücke. Ein Flüchtlingskinderwagen, ein Tante-Emma-Laden, ein Frisörsalon strahlen den Charme der Nachkriegsjahre aus, und in einem alten Kino macht Max Greger Werbung für Auto-Union. Über vier Etagen, vom Holzvergaser bis zum Wankelmotor des Ro 80, reicht die unterhaltsame Geschichtslektion, wobei das halbe Erdgeschoss den schwäbischen Zweirad- und Autobauern von NSU gewidmet ist.

Dass die Geschichte des Verbrennungsmotors älter ist, belegt das Dieselmuseum. Hier steht der größte an seinem ursprünglichen Ort erhaltene Dieselmotor aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg: 340 Liter Hubraum in vier Zylindern mit einem Kolbenhub von jeweils 60 Zentimetern in gut drei Meter hohen Türmen. Der von MAN 1911 gebaute Motor leistete 325 PS. Genug, um die benachbarte Uhrenfabrik mit Strom und Druckluft zu versorgen – und das bis 1963.

Von diesem imposanten Ungetüm geht es zu den eleganten Ausstellungsstücken der Sammlung Steim. Auf zwei Etagen stehen die 110 Prachtexemplare des heutigen Eigentümers der Junghans-Uhrenfabrik. Hier beginnt die Autohistorie früher, nämlich vor gut 100 Jahren mit Fords Tin Lizzy, die den Beginn der automobilen Massenproduktion markiert. Dass der Grundstein der Sammlung in den USA gelegt wurde, ist nicht zu übersehen. Da steht der Ford T neben dem Horch, der Duesenberg neben dem Maybach, der Flügeltüren-Mercedes neben dem von DeLorean, der Cadillac neben dem Dienst-300er von Heinrich Lübke.

Dem Kind im Mann ist wohl die 1916 beginnende Sammlung von Feuerwehrautos zu verdanken. Die meisten Fahrzeuge glänzen nicht nur, als wären sie gerade vom Band gerollt, 80 Prozent sind sogar fahrbereit. Neben Sonderausstellungen findet in den Wintermonaten mancher Oldtimer aus Privatbesitz hier ein wettergeschütztes Plätzchen und kann gebührend bestaunt werden.

Auch das Thema Unfall ist nicht ausgespart, etwa in Gestalt eines völlig zerstörten Ferraris und dem Schild: "Beide hatten grün" – und haben überlebt. Nicht so viel Glück hatten die beiden Schweizer Xaver Fischlin und Alois X. Fischlin-Kaiser, die 1916 mit ihrem Brasier CM 2-Tourer im Zuger See verschwanden. 1967 wurde das Auto im See entdeckt, geborgen, restauriert und 1979 wieder zugelassen. Heute erinnert es zusammen mit den Fotos von Fahrer, Bergung und Todesanzeige an die Schattenseiten der Mobilität.

 

 


Quellenangabe: "Alles, was tickt, rollt und rast", Schwabo, 20.05.2011 http://www.badische-zeitung.de/freizeittipps/alles-was-tickt-rollt-und-rast--45444879.html, 30.05.2011

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