Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Schramberger Sonderausstellung „Düsenjäger des kleinen Mannes“ eröffnet

NRWZ, 13.10.2013


SCHRAMBERG, 13. Oktober (him) - Eine Legende wird 60: Der Kabinenroller KR 175 von Messerschmitt. 1953 ging dieses ulkige, dreirädrige Gefährt in Regensburg in die Serienproduktion. Aus Anlass dieses Geburtstags das Auto-und Uhrenmuseum in Schramberg dem Kabinenroller eine Sonderausstellung gewidmet.

ur Eröffnung am Freitagabend konnte Museumsleiter Harald Burger zahlreiche Besucher im Museum willkommen heißen. Dies sei die fünfte Sonderausstellung des Museums seit seiner Eröffnung vor zweieinhalb Jahren. Solche Ausstellungen gäben die Möglichkeit "unser Haus neu zu präsentieren." Mit dem Auto- und Uhrenmuseum könne man glaubhaft Themen der Zeitgeschichte aufgreifen "die ein ganzes Volk bewegt und berührt haben."

Die Sammlung vom Martin Sauter suche Ihresgleichen in Deutschland und weit darüber hinaus. Auch bei den Kabinenrollern habe Sauter absolute Raritäten gefunden, wie den Fend Flitzer oder die Lastenroller, die man nun in der Sonderschau zeige. Er dankte den anderen Leihgebern wie Ralf Dreher und Peter Dipold bevor Helmut Banholzer als Vorsitzender des Fördervereins in die Ausstellung einführte.

Banholzer schilderte die Zeitumstände im Nachkriegsdeutschland und beschrieb wie der Flugzeugkonstrukteur Fritz Fend zum Autoentwickler wurde: Fend war einem Kriegsversehrten begegnet und war "zutiefst betroffen von dem Leid und Elend der Schwerkriegsversehrten."

Er konstruierte ein Fahrzeug, mit dem sich die beinamputierten Veteranen vom Regen geschützt fortbewegen konnten. Der "Markt" war groß: Im Nachkriegsdeutschland lebten 800.000 Männer, die ein oder gar beide Beine im Krieg verloren hatten. Diesen Fend "Flitzer" haben die Benutzer anfangs per Handbetrieb vorwärts bewegt. Doch bald hat Fend einen kleinen Fahrradhilfsmotor ein gebaut.

1951 suchte Fend eine größere Fabrik und trifft auf Willy Messerschmitt, der im Krieg ein begnadeter Flugzeugkonstrukteur war. Der durfte nun keine Flugzeuge bauen und hatte Platz in seiner Regensburger Fabrik.

Doch Messerschmitt hat gleich erklärt, dass mit einem Einsitzer kein Geschäft zu machen sei. Also konstruierte Fend ein Vehikel in dem zwei Personen hintereinander Platz fanden. Auf dem Genfer Autosalon 1953 wurde dann der erste Messerschmitt Kabinenroller mit einem Fichtel und Sachs Motor vorgestellt: neun PS leistete das Motorle und brachte den Kabinenroller auf immerhin 80 Sachen.

Der Kabinenroller war wohl das weltweit einzige Auto, das eine Gebrauchsanleitung zum Einsteigen besaß: Zunächst musste man die Plexiglashaube über der Passagierkabine anheben, erläuterte Banholzer. Dazu hieß es in der Gebrauchsanleitung: Vor dem Öffnen der Haube überzeugen Sie sich, ob rechts des Fahrzeuges auch genügend Platz ist."

Bis 1964 die Produktiondes Kabinenrollers eingestellt wurde, weil er sich nicht mehr rentabel bauen und verkaufen ließ, hatte Fend zahlreiche Varianten entwickelt, sogar einen Rennwagen. Ein Nachbau dieses KR 200 Sport ist in der Schramberger schau zu sehen.

Mit einigen Beispielen von Entwicklungsstudien aus dem modernen Automobilbau zeigte Banholzer abschließend auf, dass heute wieder deutsche Autobauer wie Audi, Opel oder VW auf Ideen von Fend und Messerschmitt zurückgreifen und "den Minimalismus zelebrieren". Wieder der Not gehorchend. Im Gegensatz zu Fend aber nicht der der Kriegsversehrten, sondern mehr der Not der Parkplatzsucher.

Die spektakulär gestaltete Schau mit zahlreichen Modellen und ausführlichen Erläuterungen ist in den kommenden Monaten im Auto- und Uhrenmuseum Schramberg zu sehen.

Quellenangabe: http://www.nrwz.de/inhalt/schramberg/, 13. Oktober 2013

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