Die Museumslandschaft im Schwarzwald

Menschen in Aspik

NRW, 02.10.2013


SCHRAMBERG, 2. Oktober (him) - Einem automobilen Klassiker der Nachkriegszeit widmet das Schramberger Auto- und Uhrenmuseum ab dem 12. Oktober eine Sonderschau: dem Messerschmitt Kabinenroller.
Um die Kabinenroller aus den Museumsräumen im dritten Obergeschoss des Museums ins Parterre zu befördern, hatten der Museumsleiter Harald Burger und der Fördervereinsvorsitzende Helmut Banholzer einmal mehr die Autoschieberbande mobilisiert. Die Firma Haas kam mit ihrem Autokran und hievte vorsichtig ein Autole nach dem anderen auf die Straße, von wo es dann die Autoschieber in den Sonderausstellungsraum schoben.

Zur Geschichte des Kabinenrollers heißt es in der Einladung:

"Man schrieb das Jahr 1946. Die Alliierten hatten Deutschland den Flugzeugbau untersagt. Der junge arbeitslose Flugzeugingenieur Fritz Fend hatte die Vision, ein für jedermann erschwingliches und kraftstoffsparendes Fortbewegungsmittel zu konstruieren. Er entwickelte ein Tretmobil aus Fahrradteilen und baute einen Pedalantrieb ein und nannte es Fend-Flitzer.

Anfang der 50er Jahre traf er seinen ehemaliger Arbeitgeber Willy Messerschmitt wieder. Messerschmitt hielt viel von Fend – war er doch an der Konstruktion des 1. Düsenjägers der Welt, der Me-262, beteiligt. Willy Messerschmitt, der die Messerschmitt-Werke stillgelegt und als Regensburger Stahl- und Metallbau GmbH umfirmiert hatte, suchte händeringend nach neuen Produktionszweigen.

Da kam Fritz Fend genau richtig. Ihr erstes Gemeinschaftswerk war der Messerschmitt KR 175. Er hatte auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1953 seine Weltpremiere. Immerhin fuhr der KR 175 knapp 80 Stundenkilometer schnell und bot Platz für zwei Personen, die wie auf einem Tandem hintereinander saßen. Er hatte ein festes Dach über dem Kopf und schaffte es in knapp 35 Sekunden von 0 auf 80.

Der KR 175 wurde im Volksmund gerne als "Schneewittchensarg” und die Kabinenrollerbesatzung als "Menschen in Aspik” bezeichnet. Das kühne Gefährt steht aus heutiger Sicht für die Motorisierung Deutschlands - das macht den Messerschmitt-Kabinenroller zum Mythos.

Heute gilt der "Schneewittchensarg" als würdiger Urahn der heute sehr gefragten preisgünstigen Klein(st)wagen. Die Sonderausstellung "Düsenjäger des kleinen Mannes - 60 Jahre Messerschmitt Kabinenroller KR 175” - vom Fend-Flitzer zum Kabinenroller, bietet eine Retrospektive über das Schaffen des genialen Ingenieurs Fritz Fend.

1964 war Schluss. Der letzte Kabinenroller rollte vom Band. Der Kabinenroller konnte mit der schnellen Auto- Entwicklung nicht mithalten, denn inzwischen galt der VW Käfer längst als des Deutschen Autotraum - und der war immerhin schon damals ein richtiges Auto."

Info:

Die Sonderschau "60 Jahre Messerschmitt Kabinenroller KR 175” - vom Fend-Flitzer zum Kabinenroller" wird am Freitag, 11. Oktober um 19 Uhr im Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten in Schramberg eröffnet.

Quellenangabe: http://www.nrwz.de/inhalt/schramberg/Menschen-in-Aspik--00050955.html, 2. Oktober 2013

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