Die Museumslandschaft im Schwarzwald

„Maico ist besser“

6. MÄRZ 2015 VON NRWZ

SCHRAMBERG (him) – Sie sind legendär, die Motorräder aus dem Hause Maico. In Pfäffingen bei Tübingen fing vor knapp 90 Jahren alles an und bei Herrenberg endete die Maico-Ära dann in den 80er Jahren. Dazwischen lag ein ständiges Auf und Ab eines Familienunternehmens, das mit der Produktion von Fahrrädern begonnen hatteMaico Story Eröffnung dk 301014 011 und zwischendurch gar den schwäbischen Volkswagen bauen wollte.

Doch bis heute berühmt bei Motorradenthusiasten sind die Maico-Geländemaschinen mit ihren typischen Zweitakt-Zweizylindermotoren. In Schramberg widmet jetzt das Auto- und Uhrenmuseum den Tüftlern aus dem Schwabenland eine Sonderausstellung: Die Maico-Story.


Bei der Ausstellungseröffnung hatten Freya und Peter Klink ihre Maico-Rennmaschinen aufheulen lassen. Während der Schall bald verschwunden war, hing der „Duft“ der Zweitakter noch lange in der Museums-Luft. Freya Klink liebt ihre alte Maico: „Da geht was“, sagt sich lachend. Und der Gestank? „Das macht doch grad den Spaß.

Wie es zu den Rennmotorrädern kam, erläutert der Maico-Kenner Friedbert Morsch: In den 30er Jahren hatten die Brüder Otto und Wilhelm Maisch begonnen, Motorräder zu bauen und waren damit auch in den ersten Nachkriegsjahren sehr erfolgreich. Doch Anfang der 50er Jahre ging es den Motorradherstellern schlecht: „Der Kunde wollte ein Dach über dem Kopf, nämlich ein Auto.“ Zündapp baute daraufhin einen Kleinwagen, den Janus, BMW brachte die Isetta auf den Markt und Maico eben den „Champion“. Doch der brachte Maico kein Glück, denn die Investitionen waren damals immens und haben der Firma nicht den Erfolg gebracht, den sich die Besitzer erhofft hatten.

Nach etwa 10.000 Autos war Schluss und Maico suchte sich eine andere Nische: Die Rennmaschinen. Von den 50er bis in die 80er Jahre waren die Maicos auf den Motocross-Rennstrecken dieser Welt zu erleben. „Maico war weltweit führend im Motocross und Geländesport“, weiß Maico-Fachmann Morsch. Einer der Rennfahrer, die damals eine Maico fuhren, war Egbert Haas aus Mengen. Er wurde 1979 sogar Europameister in der Klasse über 750. Dank seiner schmalen Zweizylinder-Motoren hatte die Maico Vorteile gegenüber der Konkurrenz: „Man konnte das Motorrad viel stärker in die Kurve reinlegen.“ Ein weiterer Vorzug war, dass die Maico sehr leicht war: „Man musste oft das Motorrad den Berg hochschieben im Geröll.“ Besonders stolz ist Haas, dass er als Privatfahrer damals gegen starke japanische Werksteams gewonnen hat.

Der heute über 90-jährige Otmar Heinzelmann war bei Maico in den 50er Jahren Verkaufsleiter erinnert sich an einen Werbegag, den er sich ausdachte, als auf der Solitüde-Rennstrecke bei Stuttgart ein Rennen stattfand. Heinzelmann hatte mitbekommen, dass die Konkurrenz aus Neckarsulm überall auf die Straßen ihren Werbespruch pinselte: Da habe er ganz schnell Schablonen machen lassen und am Tag des Rennens konnten die Besucher auf den Straßen rings um Stuttgart lesen: „NSU ist gut – Maico ist besser.“

Info: Am Freitag 13. März lädt das Museum zu einem Erzählsalon ab 19 Uhr ein. Friedbert Morsch, einer der besten Kenner der Maico-Geschichte wird mit Zeitzeugen plaudern, unter anderem mit Egbert Haas, dem Europameister Geländesport. Die Ausstellung ist bis 29. März täglich außer montags im Auto und Uhrenmuseum in Schramberg zusehen.

Gute Zahlen für Museen

Das Auto- und Uhrenmuseum und das Eisenbahnmuseum haben im vergangenen Jahr knapp 27.000 Besucher besichtigt, berichtete der Vorsitzende des Fördervereins Technikmuseen Helmut Banholzer im Verwaltungsausschuss des Schramberger Gemeinderates. Hinzu kämen mehrere tausend Besucher der Autosammlung Steim. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen annähernd gleich geblieben.

Schramberg sei kein touristischer Schwerpunkt und liege im Verkehrsschatten, was die Touristenströme angeht, so Banholzer. „Es gilt die Touristen nach Schramberg zu holen und die Oldtimerfreunde auf uns aufmerksam zu machen.“ Mit Anzeigern und Berichten, mit Messeständen und Prospekten in Hotels und Gasthöfen werbe der Verein. Für die Zukunft gebe es bereits eine Reihe von Vorschlägen, wie das Museum noch attraktiver werden kann, etwa über kleine Einspielfilme zu den gezeigten Fahrzeugen, die sich die Besucher über ihr Smartphone anschauen können.

06.03.2015


Quellenangabe: http://www.nrwz.de/aktuelles/maico-ist-besser/20150306-1816-84400

Auto- und Uhrenmuseum Schwarzwald Logo Footer

Auto- und Uhrenwelt Schramberg
info@auto-und-uhrenwelt.de